Gemeinsamkeit - sehr schwer zu machen

Geschrieben von Faultier am 21.11.2006 21:13:00:

Leider bin ich die letzten Tage wieder nicht einmal dazu gekommen, alle Beiträge hier zu lesen, geschweige denn, sie zu überdenken oder zu beantworten. Eines erscheint mir im Zusammenhang Crashbewältigung recht wichtig:

Seriola:

...Gemeinsamkeit macht stark (doch wer ist dazu hier und heut noch fähig?)
Die besten langfristigen Chancen im Crash-Szenario werden sicher geordnete Gruppierungen von weitsichtigen Menschen mit ähnlichen Interessen/Interessenbündelungen haben, unter strikter Verfolgung gemeinsamer Ziele (den Crash relativ besser als die blinden Massen überstehen!). Siehe dazu auch meine nachfolgenden Erfahrungen. Daran hege ich keine Zweifel, zumal ich überzeugt davon bin, dass vieles was langfristig bevor steht, selbst so manch als Unsinn verrufene Utopie noch übertreffen könnte...

...Ich selbst spiele bereits mit den Gedanken mich in diesem Sinne einer solchen "Kommune" anzuschließen und sogar entsprechende Investitionen zu tätigen, wenngleich ausgerechnet Dland dafür sicher nicht das optimale Land ist. Drei solcher umliegenden "Kommunen mit dem Ziel weitmöglichster Autarkie" sind mir bisher bekannt. Nach eingehender Prüfung wurde mir jedoch schnell bewußt, dass es sich zumnidest bei zwei davon um einen wilden Haufen chaotischer "Freaks" ohne echten Plan und Verstand, also Experimente handelt, was so nichts werden kann und wofür mir mein hart erspartes Geld dann doch zu wertvoll ist.
vgl.: 8129.htm

Faultier:

Meine Meinung ist, daß der Crash oder die große Reform wohl trotz aller vorheriger Recherchen etwas bis ganz anders aussehen wird, als von uns gedacht. Wer dann auf sich allein gestellt ist, wird zu den vielen Verlierern gehören. Dies wird wohl teils auch bei guter finanzieller und materieller Vorbereitung so sein.

In dem Sinne finde ich es richtig, was Seriola sagt: eine geordnete Gruppierung gleichgesinnter Menschen bilden. Fakt ist aber auch, daß allerlei solche Gruppen zerbrachen(1). Wenn man genau hinschaut, so stellt man fest, daß diese Gruppen am Kapitalismus scheiterten, weil sie ihn in ihrer inneren Struktur(2) nicht richtig oder gar nicht verwirklicht haben.

Daraus folgt, daß das kapitalistische Wirtschaften der Kern einer auf Crashbewältigung ausgerichteten Gruppe sein muß. Dies bedeutet, die Gewinnerzielungsabsicht muß als Motiv der Wirtschaftlichen Tätigkeit anerkannt sein. Da darf es kein Drumherumverschleierungs- u. Gutmenschgehabe geben. Den Äußeren Rahmen kann ja ein Kleintierzuchtverein bilden. Im Inneren müssen jedoch die Wirtschaftsprinzipien(3) knallhart definiert sein. Jeder, der beitritt, muß erklären, daß er diese akzeptiert. Jeder muß anhand seiner Taten zeigen, daß er sie Umsetzen will. Wer nicht so lebt, wird wieder ausgeschlossen.

Selbstverständlich muß die Gruppe in jeder Hinsicht gesetzeskonform(4) handeln. Sie darf sich nicht von der übrigen Gesellschaft abschotten, sondern sie muß vielfältige Beziehungen eingehen, insbesondere auf der Ebene der Kommunalpolitik(5).

Zum schluß möchte ich noch die Offizielle Lesart hinzufügen: derjenige, der ein gut funktionierendes Beziehungsnetzwerk aufgebaut hat, der wird einen Crash, eine Reform oder eine andere Herausforderung spielend bewältigen. Voraussetzung für solch Beziehungsnetzwerk ist, daß man in der Lage ist, selbst einen für die anderen wertvollen Beitrag zu erbringen. Da wären wir wieder beim Zusammenhang: Kapital - Qualifikation - Beziehungen - Macht.

Das Faultier


Anmerkungen:

( 1 ) Gruppen, die zerbrachen:
Ein Beispiel sind sicher die von mir viel herbeidozierten frühkommunistischen Kommunen anfang des 19. Jahrhunderts. Die wurden einfach vom sich stark entwickelnden Kapitalismus im freien Wettbewerb überholt. Die Leute liefen auseinander, jeder seiner vermeintlich besseren Alternative hinterher. Ebenso zerfielen die bürgerlichen Gartenbaugenossenschaften. Lediglich das Schrebergartenwesen überdauerte nun schon fast 150 Jahre - dank staatlicher Förderung unter allen deutschen Regierungen seit 1919.
Für mich besonders erstaunlich war der Untergang der SED. Die hatte ein genial ausgetüfteltes und auf den bewährten Leninschen Prinzipien beruhendes Statut. Dennoch reichte die einfache nachbarschaftliche Anwesenheit von Kapitalismus aus, um auch diese Partei angesichts einer großen Herausforderung zur Aufgabe zu zwingen und auseinanderlaufen zu lassen. Die PDS und alles drumherum hat nichts mehr mit der SED zu tun.
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( 2 ) innere Struktur:
Beispielsweise waren die frühkommunistischen Kommunen in ihrer inneren Struktur kleine kommunistische Gesellschaften. Es gab nicht das für die damalige Zeit notwendige Leistungsprinzip. Daraus folgte, daß die Leistungsträger als erste abwanderten. Nach Außen waren es kapitalistische Betriebe. Sie waren bald nicht mehr konkurrenzfähig, weil das notwendige Kapital für Innovationen und Erweiterungen ja schon recht gleichmäßig verteilt und verkonsumiert war. Wenn ein Kleintierverin Crashbewältigung betreiben will, so muß seine innere Struktur viel Raum bieten für den Handel mit den Tieren, mit Futter, die Bereitstellung von billigem Pachtland, Saatgut, Dünger, Maschinen usw. für die Futtererzeugung. Ebenso muß viel Raum für Beziehungsanbahnung- u. -Pflege sein. Dazu zählen z.B. thematische Veranstaltungen, Problemdiskussionen, Tauschbörsen, Jobvermittlung usw.
Alle inneren Beziehungen sollen also anerkanntermaßen geschäftlicher Natur sein.
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( 3 ) Wirtschaftsprinzipien:
Z.B. Vorzugskundschaft, Vorkaufsrechte, Hauspreise, .
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( 4 ) gesetzeskonform:
d.h. innere Demokratie, Steuerehrlichkeit ( bei voller ausnutzung der Gestaltungsspielräume ) .
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( 5 ) Kommunalpolitik:
Ideal wäre, wenn der Verein die Kommunalpolitiker zum vorteil seiner Mitglieder beeinflussen würde. Also Lobbyismus, so wie er ja derzeit auch praktiziert wird.
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