Ursache & Hintergrund von ungewollter Arbeitslosigkeit

Geschrieben von Bachforelle am 28.03.2011 10:04:42:

Hier nochmal die Ursache für Arbeitslosigkeit. Ich habe sie der Einfachheit halber aus dem Buch (S 51) meiner Signatur kopiert, da es dort recht verständlich beschrieben worden ist.

Arbeitslosigkeit ist ein Phänomen der Zinsgeldsysteme. Ob das nun gefällt oder nicht.


Ursache & Hintergrund von ungewollter Arbeitslosigkeit:

Eine der bezeichnendsten Auswirkungen des Kapitalismus im engeren Sinn bildet die
ungewollte Arbeitslosigkeit. Sie wird aus folgender Überlegung als eine unmittelbare Folge der
Geldwirtschaft erkennbar: Bei der ältesten Wirtschaftsform, der Natural- oder Eigenwirtschaft,
verbraucht der Erzeuger sein eigenes Erzeugnis selbst. Man darf dabei nicht allein an die graue
Vorzeit zurückdenken; diese Wirtschaftsform spielt auch heute noch eine erhebliche Rolle.
Unsere Landwirte und Hausfrauen erzeugen etwa 25 v.H. ihres Bedarfes im Wege der
Eigenwirtschaft selbst.

Das Bemerkenswerte bei der Eigenwirtschaft ist, dass sie ungewollte Arbeitslosigkeit nicht
kennt. Der Landwirt, der für sich und seine Familie Nahrungsmittel anbaut, die Hausfrau, die für
sich und ihre Kinder aus vorhandenen Stoffen Kleider anfertigt oder aus eingekauften Zutaten
Speisen zubereitet, der Mann, der sich selbst rasiert, sie alle können, solange die Stoffe und
Produktionsmittel vorhanden sind, durch keine äußeren Umstände in ihrer Tätigkeit gehindert,
sie können nicht arbeitslos werden. Solange ihr Bedürfnis besteht, hängt es vollkommen von
ihrem Willen ab, ob sie es befriedigen wollen oder nicht. Aus der Eigenwirtschaft ist das
Phänomen der ungewollten Arbeitslosigkeit nicht zu erklären.

In der nächst höheren Wirtschaftsform, der Tauschwirtschaft, vollzog sich der
Güteraustausch der heutigen Kulturvölker durch lange Zeiträume. Ob nun der Tausch Zug um
Zug erfolgte, etwa Tontöpfe gegen Fische oder im Wege der Leihe, so bleibt die entscheidende
Tatsache beim Tausch doch stets die, dass das Angebot der eigenen Ware gleichzeitig die
Nachfrage nach einer anderen Ware darstellt. Jeder bietet seine eigene Ware an und fragt
damit gleichzeitig fremde Ware nach. Das Gesamtangebot einer Volkswirtschaft ist in diesem
Falle gleich der Gesamtnachfrage. Solange sich aber Gesamtangebot und Gesamtnachfrage
decken, ist ungewollte Arbeitslosigkeit nicht möglich.

Wohl kann es bei der Tauschwirtschaft vorkommen, dass ein Erzeuger am Markt etwas
anbietet, das niemand einzutauschen wünscht, so dass sich für sein Erzeugnis kein Abnehmer
findet. Aber er ist deshalb für die Zukunft nicht arbeitslos. Er hat nur in der Vergangenheit
vergebliche Arbeit geleistet und sich selbst vom Markt ausgeschaltet, weil er die Nachfrage
nicht beachtete. Es steht ihm aber frei, in Zukunft solche Güter herzustellen, die nachgefragt
werden und sich dadurch wieder in den Güteraustausch einzuschalten. Eine ungewollte
Arbeitslosigkeit ist somit aus dem Wesen der Tauschwirtschaft ebenso wenig zu
erklären wie aus der Eigenwirtschaft.


Anders in der Geld- oder Verkehrswirtschaft. War beim unmittelbaren Tausch Ware gegen
Ware das Angebot stets gleich der Nachfrage, so änderte sich das schlagartig mit der
Einführung des Geldes.


Die Aufspaltung des Tausches durch das Geld
Das Geld zerlegt den Tausch in zwei Teile: Die eine Hälfte ist der Verkauf des eigenen
Erzeugnisses gegen Geld, die zweite der Kauf eines fremden Erzeugnisses gegen Hingabe dieses
Geldes. Nur wenn beide Teile, sowohl Verkauf als auch Kauf erfüllt sind, ist der Tausch
vollendet, nur dann ist der „vollkommene Tausch“ verwirklicht.

Die Aufspaltung des Tausches durch das Geld ermöglicht es nun, dass Angebot und
Nachfrage sich nicht mehr immer decken müssen. Mit der Einführung des Geldes ist plötzlich
das Angebot nicht mehr zugleich auch Nachfrage. Es ist vielmehr jetzt möglich, dass beide
auseinanderklaffen. Dieser Fall muss ganz zwangsläufig dann eintreten, wenn manche
Teilnehmer am Tauschverkehr wohl ihr eigenes Erzeugnis verkaufen, ohne indes für den
erzielten Gelderlös in angemessener Frist ein fremdes Erzeugnis einzukaufen. Durch ein solches
Verhalten der Tauschteilnehmer wird der „vollkommene Tausch“ verhindert, es entsteht eine
Tauschstörung und damit ungewollte Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise. Der „vollkommene
Tausch“ bedingt eben, dass nicht nur das eigene Erzeugnis verkauft, sondern auch das fremde
Erzeugnis gekauft wird.

Unerheblich für den „vollkommenen Tausch“ bleibt es, dass der Verkäufer mit dem
empfangenen Geld selbst Nachfrage nach fremden Waren hält. Es genügt, wenn er das Geld im
Kreditwege (z. B. über ein Geldinstitut) einem Dritten zum Ankauf von Gütern zur Verfügung
stellt. Entscheidend ist somit nicht, wer kauft, sondern dass gekauft wird. Denn wenn
der Verkäufer mit dem empfangenen Geld weder selbst kaufend auftritt noch es verleiht, dann
verhindert er den „vollkommenen Tausch“, unterbricht den Geldumlauf und sperrt dadurch
Arbeiter aus. Allgemeine Geldhortung in diesem Sinne muss daher notwendig zu einem
Auseinanderklaffen von Gesamtangebot und Gesamtnachfrage und damit zu ungewollter
Arbeitslosigkeit führen. Ungewollte Arbeitslosigkeit ist also nur in der Geldwirtschaft denkbar.

Wie ist dieses Auseinanderklaffen zu vermeiden? Wie schaffen wir eine Wirtschaft des
„vollkommenen Tausches“, die keine ungewollte Arbeitslosigkeit kennt?


Die Planwirtschafter aller Schattierungen beabsichtigen dieses Ziel zu erreichen, indem sie
der Marktwirtschaft mehr oder weniger den Garaus machen und an ihre Stelle die so genannte
Bedarfsdeckungswirtschaft einführen. Anstatt dass der Käufer mit dem Geld in der Hand
Nachfrage nach eigenem Bedürfnis und Geschmack hält, sollen irgendwelche bürokratische
Stellen Erzeugung und Verbrauch regeln. Anstelle des Marktes tritt das Amt, anstelle der
Triebkräfte der Wirtschaft der behördliche Zwang, um Erzeugung und Verbrauch gewaltsam in
Übereinstimmung zu bringen.

Vom Standpunkt der modernen Wirtschaftswissenschaft sind solch einschneidende Eingriffe
keineswegs nötig. Die wünschenswerte Übereinstimmung zwischen Gesamtangebot und
Gesamtnachfrage und damit auch zwischen Erzeugung und Verbrauch, lässt sich viel einfacher
erzielen. Es ist nur erforderlich, dem Gelde seine heutige Hortbarkeit zu nehmen, d.h. das
Geldstreikmonopol zu brechen. Ein solches ständig zum Kreislauf gezwungenes Geld erfüllt die
erste Forderung, die man an ein ideales Geld stellen muss: Es rollt! Rollt es aber, dann kommt es
zu allen Arbeitswilligen. Die Gesamtnachfrage wird durch ein unhortbares Geld und durch
geeignete sonstige Maßnahmen dauernd dem Gesamtangebot angepasst, mit dem Ziele einer
Vollbetriebswirtschaft.

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Signatur:
Die Lösung der sozialen Frage


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