Eine Darstellung, die Licht ins Dunkel bringt

Geschrieben von Axel am 09.05.2011 19:16:49:

Beispiel Basel III: Die USA, nach wie vor das globale Finanzzentrum, haben schon die Vorgängerregelung Basel II nicht übernommen. Dass sie Basel III einführen, ist genau so wenig zu erwarten. Ohnedies bringen die neuen Vorschriften nur eine bescheidene Verbesserung der Sicherheitsstandards. Ursprünglich hieß es, die Banken sollten zukünftig nur das 25fache ihres Eigenkapitals an Krediten vergeben dürfen; daraus wurde dann, nach zähen Verhandlungen, das 33fache. Und auch diese Auflagen müssen die Banker erst ab 2013 erfüllen, voll wirksam sollen sie erst ab 2018 sein. Ein Schonprogramm für die Banken.

Mindestreserve und Eigenkapital sind zwei Größen, die nichts und zwar genau gar nichts miteinander zu tun haben. Die MR ist mindestens als Barreserve im Monatsdurchschnitt vorzuweisen, das EK ist eine berechnete Größe, es ist die Differenz zwischen Summe der Vermögenswerte und Summe der Verbindlichkeiten. Es ist eine 100%tige Bilanzgröße.

Die MR wird durch die Passivseite einer Bank bestimmt.
Die EK-Anforderung wird durch die Aktivseite einer Bank festgelegt.
(Wie man lesen kann, es gibt keine Überschneidung zwischen MR und EK-Reservierung, es wird durch verschiedene Bereiche beeinflusst.)

Mein Geschreibsel kann man auch darstellen.

Mindestreserve und EK-Anforderungen
(Es ist eine Prinzip-Darstellung. Die Bareserve fällt in Realtät nur als Strich aus (so gering ist die) und in der Barreserve sind 90 bis 95% Mindestreserve und nur 5 bis 10% beträgt der Teil der Überschussreserve.)

Die EK-Anforderung der einzelnen Kredite bzw. Wertpapiere liegt zwischen 0% und 100% des Nennwerts, der eine Faktor liegt somit zwischen 0 und 1.250 (dazu später mehr). Das ist von der Einstufung (Rating) abhängig. In der Bubaschrift wird es recht gut erklärt. Man kann sich durch den Text quälen oder gleich zu einem Beispiel gehen, das ist wesentlich einfacher und leichter verständlich.

Eine umfangreiche Schrift ist diese
http://www.bundesbank.de/download/bankenaufsicht/pdf/eigenkapitalempfehlung_de.pdf
Seite 247ff (interene Papierseitenummern!) hat ein paar Berechnungsbeispiele.

Wer suchen möchte, der soll nach einem knapp 30-seitigem Papier der Buba suchen, dort ist es weit aus verständlicher beschrieben, doch das finde ich gerade nicht.

Einfacher ist die erste Seite von diesem Papier
http://www1.uni-hamburg.de/Kapitalmaerkte/download/SeminarWiSe200203Folien2.pdf

Berechnungsbeispiele von mir (die 8% ... Faktor 0,08 sind in Basel II gesetzt, es sind immer 8%)
Betrag bei allen: 100.000
Staatsanleihe Bonität AA --> EK-Anforderung = 10.000 * 0 * 0,08 = 0
Kredit mit Einstufung 40% --> Ek-Anforderung = 10.000 * 0,4 * 0,08 = 320
Unternehmensanleihe mit Einstufung 100% --> Ek-Anforderung = 10.000 * 1 * 0,08 = 800
ABS-Titel haben einen Faktor 1250% --> Ek-Anforderung = 10.000 * 12,5 * 0,08 = 10.000

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Nun zu den Folgerungen:
Eine Steuerung über die Mindestreserve gibt es nicht mehr. Die FED (wie auch die EZB und BoE) gewährt jeder Bank jeden Betrag an Barreserve, den die anfordern und keine Sorge, die Banken haben genug ZB-fähige Pfänder.
Also versucht man nun eine Begrenzung über das EK herzuzaubern. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Ich habe keine Zweifel, das die Ratingsagenturen weiterhin je nach Bankwunsch beste Ratings vergeben, damit die EK-Anforderung gering ausfällt.

Ich hoffe, der kleine Exkurs hat ein wenig zu dem Verständnis der Gesamtzusammenhänge geholfen.
Die Zusammenhänge sind viel einfacher als man meint. Jedoch wissen fast alle Wirtschaftsexperten nichts über die EK-Thematik, von den selbsternannten Experten und Missionaren ganz zu schweigen.


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